Menü

DeutschEnglishFrancais
Da gings noch!

Mein härtestes Rennen,

 

Samstag:

 

seit Monaten fiebere ich mit dem gesamten pfadlinig-Team dem Mad-East-Enduro entgegen - nachvollziehbar, wenn schon die Anmeldung penibel geplant sein will, damit man einen begehrten Startplatz ergattert. Am Vorabend des Mad East war schon mal klar: Nicht nur die Runden um Altenberg werden ein anstrengendes Bergauf-Bergab, sondern auch das Wetter versprach eine Bandbreite an Überraschungen. Samstag anfängliche Hitze mit anschließenden Unwettern und einer Regennacht, Sonntag dann ein angenehm kühler Sonne-Wolken-Mix - das versprach der Wetterbericht.

 

Damit war die Taktik für den Samstag klar: früh da sein und mit dem 09:00 Uhr-Startblock auf die Strecke gehen. Bereits da - nach wenigen hundert Metern - lief mir der Schweiß übers Gesicht. Aber zumindest hatte ich an die drei Liter Getränke im Rucksack, was mich erst einmal ein wenig beruhigte. Auch das die Strecken trocken sein würden, kam meiner überschaubaren Fahrtechnik entgegen. Dennoch: die erste kleine Prüfung - ein kleiner Rundkurs durch den Wald - brachte mich gehörig ins Schwitzen. Auf der Transferetappe zur Tellkoppe wurde es dann auch nicht besser. Für mich war klar - so schnell wie möglich in die Wertungsprüfung, damit es wieder Fahrtwind gibt - gerade an der Tellkoppe ist der garantiert! Der trockene Waldboden sorgte für guten Speed, so dass ich mit meiner Fahrt auch zufrieden war.

 

Im Ziel angekommen machte mir die nun folgende Transferetappe mehr Sorgen, als die gefahrene Zeit der WP 2. Ich entledigte mich aller Protektoren und meinem langen Trikot - schließlich würde mein 17 Kilo Bike für genug Transpiration sorgen. So quälte ich mich mit meinen Teamkollegen in Richtung Hermsdorf. Etwa 3 Kilometer vor Hermsdorf - das Thermometer zeigte mittlerweile 31 Grad an, gab es mitten im erdrückenden Sonnenlicht mit einem Mal einen lauten Gewitterschlag. Doch wo war die Gewitterwolke dazu? Erst, als wir um eine Hangkurve kamen, sahen wir die schwarze Front hinter den Häusern von Hermsdorf. Toll! Brütende Hitze auf der einen Seite, Hektik auf der anderen Seite, um nicht noch in ein Unwetter zu kommen.

 

Also nicht lange Fackeln am Skihang - Protektoren an und los auf die WP 3. Die war wirklich genial gebaut! Anliegerkurven, eine "Warschauer Wippe", eine Fahrt durch einen Sattelschlepper und am Ende ein enger Kurs durch dichten Wald. Unten angekommen rückte jedoch sofort die unerträgliche Hitze wieder in den Vordergrund - begleitet von dem Grollen der Gewitterzelle. Ich verspürte den Drang, zügig weiter zu fahren, vielleicht, um nicht ins Gewitter zu kommen, vielleicht auch um keine Minute zu lang in dem Glutofen zu stehen. Somit ließ ich meine Kameraden zurück - Sie würden mich ja eh bald wieder einholen. Doch schon am eigentlich minimalen Anstieg in Seyde stieg ich vom Rad und schob. Krämpfe, Hitze unterm Helm -  Ich merkte - es ging bergab mit mir. Hier dachte ich das erste Mal an Aufgeben - Taxi rufen, nach Altenberg bringen lassen und ins Eiscafe setzen... Aber irgendwie taumelte ich trotzdem über einen Feldweg zur WP 4. Hier brach mein Kreislauf erst einmal völlig zusammen. Auf die Frage eines anderen Fahrers, ob ich ärztliche Hilfe bräuchte, erwiderte ich: "So lange ich bei Bewusstsein bin, ist es schon OK" - eigentlich eine selten dämlich Antwort von mir!!! Da lag ich schwindelig halb über meinem Bike wie ein Häufchen Elend und überlegte, welche Taktik jetzt sinnvoll wäre. Im Ziel der WP 4 gibt es ein Flüsschen, wo ich mich abkühlen könnte - das war zu diesem Zeitpunkt die einzige Motivation, da noch runter zu fahren. Aber wie in diesem Zustand?

 

Zum Glück bot der Waldrand hier minimalen Schatten, so dass sich die Schwindelgefühle etwas besserten. Schließlich stellte ich mich an den Start und eierte wenig motiviert, aber immerhin sturzfrei den Hang hinunter. Unten riss ich mir allen Protektorenballast vom Leib und stürzte durch die Brennnesseln hinüber zum Flüsschen, wo ich mich erst einmal abkühlte. Ein wenig kamen die Lebensgeister dadurch zurück, so dass ich mich doch dazu entschloss, die eigentlich läppigen 11 Kilometer nach Altenberg in Angriff zu nehmen. Während ich den nächsten asphaltierten Minianstieg im Schneckentempo neben meinem Bike hochlief, holte mich der Stefan ein. Ihm ist es wohl vor der WP 3 ähnlich gegangen, wie mir, so dass auch er gerade nicht wie das blühende Leben aussah (Anm. d. Red.: Nicht „wohl ähnlich“, sondern exakt genauso… Filmriss auf WP3…unglaublich…ich kann mich erinnern an….Schwindelgefühle….und ich muss hier weg….keiner mehr da…. Wippe? Kann mich, ohne Mist jetzt, nicht mehr daran erinnern über das Ding gefahren zu sein…. Schwindel, Hitze, Kurzatmigkeit…dann erst als Jan sagte… „Kopf ins Wasser!“ am Bach unten!....mache ich tendenziell kein zweites Mal!....ebenfalls total ausgeknockt war unser Martin, keine Luft, Krämpfe und Null Power mehr in den Beinen....)  Eine Zeit lang dümpelten wir gemeinsam den Berg hoch, was mich irgendwie auch ein wenig aufbaute. Später bewegte sich wieder jeder in seinem eigenen Tempo langsam fort. Irgendwann kamen Jan und David vorbei - die schienen ja fast noch Spaß bei der Sache zu haben!

 

Dennoch! Irgendwann erreichte auch ich die WP 5. Längst war für mich klar: Die Zeiten in den WP´s würden für mich dieses Mal keine Rolle spielen. Allein der Fakt, dass ich überhaupt bis hier her gekommen war und nicht aufgegeben habe, machte mich sehr zufrieden. So ließ ich auf der WP 5 nichts anbrennen und kam ohne Sturz und größere Fahrfehler schließlich ins Ziel. Zwei Stunden später brach dann tatsächlich das angesagte Unwetter los, da hatten Stefan und ich aber längst geduscht und ich gerade meinen zweiten Eisbecher verspeist.

 

Sonntag:

 

Die ganze Nacht hatte es geregnet. Meine Beine waren bleischwer. Und dennoch war ich guter Dinge. Die Temperaturen sollten nicht über 20 Grad gehen und der Regen aufhören. Das die WP´s sicher schwerer zu fahren sein würden, war für mich dabei fast Nebensache nach der Tortour vom Samstag, wo die Transferetappen das eigentliche Problem darstellten.

 

Heute ließen wir uns Zeit und starten gegen 09:45 bei einem angenehmen Sonne-Wolken-Mix in die Runde. Im ersten Anstieg nach Zinnwald fühlten sich meine Beine noch zäh an. Aber nach kurzer Zeit erreichten wir dennoch gemeinsam die 1. WP des Tages. Der Parcour führte äußerst originell über einen Golfplatz. Mal ging es über feinsten Rasen, dann wieder durch Sandlöcher. Anspruchsvoll waren eine Steinrampe und ein gebauter Sprung über ein Sandloch. Hier fehlte mir der Schwung, so dass mich nur die 180 mm Federweg meines Eisenschweines beim Einschlag in den Gegenhang vor dem Katapult retteten. Ein typischer "Belov", hätte der Jan gesagt. Die anschließende Fahrt über den Platz und dann durch den Wald war der reinste Genuss.

 

Die nun folgende Transferetappe zum Mückentürmchen führte relativ entspannt über den panoramareichen Kamm zur WP 2 und WP 3. Hier gab es richtig gute Stimmung dank Verpflegungsstand und einer tollen Moderation. Die WP´s hier waren krupkatypisch steil, steinig und aufgrund des nächtlichen Regens eine einzige Rutschpartie. Wir waren uns hier alle einig im Team: Das hatte mehr was mit Rodeln zu tun, als mit Mountainbiken. Bis auf kleinere Stürze meiner Teamkollegen, kamen wir aber auch hier irgendwie einigermaßen anständig runter.

 

Nun kurbelten wir zurück nach Altenberg. Meine Beine hatten sich erstaunlich gut regeneriert, so dass ich das schöne Wetter und die Ausblicke richtig genießen konnte. Nach etwa einer Stunde fand ich mich an der WP 4 in Altenberg wieder.  Hier nahm ich noch mal all meine Kräfte zusammen, um den Mad-East-Enduro mit einer guten Abfahrt auf der WP zu beschließen. Und so fegte ich über den Skihang schließlich ins Ziel.

 

Fazit: Das Mad-East-Wochenende war für alle Enduro-Challenge-Teilnehmer in jeder Hinsicht ein Auf und Ab - vorallem wegen des Wetters. Mir machte die Hitze am Samstag dabei mehr zu schaffen, als die WP´s. Die waren wieder genial angelegt und an vielen Stellen unvergesselich originell. Das ich die Hitzeschlacht  am Samstag bis in Ziel erfolgreich geschlagen habe, machte mich so zufrieden, dass die Zeiten auf den WP´s für mich völlig in den Hintergrund traten. Der Sonntag war dann aufgrund des guten Wetters und der entspannteren Transferetappen der reinste Genuss gegenüber dem Samstag. Gewonnen hat übrigens André Kleindienst vor Daniel Jahn mit gerademal einer Sekunde Unterschied bei der Gesamtzeit. Auch unser Teamfahrer Jan hat sich sehr gut geschlagen und den 17. Platz erzielt. David hat den 52. Platz belegt, ganz kurz vor dem Stefan, welcher auf Platz 54 landete. Ich erreichte Platz 80 weil ähhhhhhhh. also wenn ich ähhhmmm, also dann wäre... weil ich einfach langsamer war als 79 andere Fahrer!! So!!! 

 

 

 

da auch noch! :-)