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Zum zweiten Mal wurde am 15.10.2016 wieder zum Heiddespaß – einer Enduro-Runde mit Wertungsprüfungen in der Dresdner Heide– geladen. Dieses Jahr war das pfadlinig-tretmühle-Team mit drei Fahrern vertreten, David, Jan und ich.

Die entscheidende Frage stellte sich mir aber schon vorher. Mit welchem Gefährt trete ich an? Letztes Jahr war ich mit einem leichten Scott Spark unterwegs – schnell im Antritt, aber eher träge in den Kurven und in den groben Passagen am Limit. Mein 17 Kilo Bergamont kam für mich auch nicht in Frage, zu schwer und in der Heide eher unterfordert, was das Gelände angeht. Doch da war doch noch was in meinem alten Holzschuppen, eine verblasste Erinnerung, eine alte Liebe... - meine geliebte militärgrüne Nicole – ein NICOLAI Helius FR aus dem Jahre 2003. FR hieß damals 130mm sensibler Stahlfederweg, drei Kettenblätter und eine extrem wendige Geometrie – unschlagbar in Kurven, aber gefährlich nervös in schnellen Passagen.

Beim Treffpunkt staunten wir nicht schlecht. Immerhin 39 Jungs und drei Mädels hatten sich zum Spaß-Haben in der Heide eingefunden. Die WP ließ auch nicht lange auf sich warten. Ich wollte es mit meinem Retrobike eh ganz locker angehen lassen, nachdem ich im letzten Jahr erfahren musste, dass mein Heimrevier-Vorteil nicht wirklich griff im Kampf um Platzierungen. Und so rollte ich mehr, als dass ich wild in die Pedale stampfte, so wie unserer Jan und der David (die geben das bloß nicht zu – aber die treten, als würde eine wütende Wildschweinrotte hinter denen her sein). Der erste Teil bestand aus einem flüssigen Herumkurven über sanfte Wellen im Wald, dann folgte eine schnelle ruppige Wurzelabfahrt. Hier konnte Nicole ihr Stahlfederfahrwerk das erste Mal so richtig einsetzen. Echt Klasse, was das alte Material noch so mitmacht. Jan war so schnell unterwegs, dass er das Ziel nicht mitbekommen hat - waren ja nur 8 Fahrer schon im Ziel und das Wort „Ziel“ wurde auch nicht mit Megafon ins Ohr gebrüllt (Jan war früher DJ...) - da kann man schon mal die Ziellinie verpassen :-) Auch als dann das Flatterband den Weg versperrte (Absperrung der zweiten Prüfung) fuhr er weiter bis in den Priesnitzgrund. Da ist dem Jan wohl das Laktat bis in den Kopf gestiegen...

Nach kurzer Zwischenetappe standen wir schon an der zweiten WP. Im ersten Abschnitt hieß es, in die Pedale treten. Über enge Kurven und eine Lichtung musste ich dabei ganz schön strampeln, um die knapp 16 Kilo über den Trail zu wuchten. Nun folgte eine steile Passage aus Stufen und engen Anliegern – kein Problem für meinen grünen Youngtimer. Noch ein kurzer Zwischenanstieg auf nun mir durch meine Feierabendrunde bekannten Terrain und ein Speedstück über ruppigen Wurzelteppich – wieder klebte das Stahlfederfahrweg regelrecht am Boden – erreichte ich leicht außer Atem das Ziel.

Nun folgte ein längeres Zwischenstück über schöne Pfade zur 3. WP. Auch diese Piste ist mir von meiner Feierabendrunde weitgehend bekannt gewesen - eine für Heideverhältnisse lange Abfahrt, wo wirklich alles dabei ist, schnelle Passagen, Zwischenanstiege, enge Anliegerkurven und einige Sprünge. Ich hatte mittlerweile meinen persönlichen Flow gefunden und fegte unbeschwert über den Trail. Alte Erinnerung wurden wach an die unzähligen Höllenritte mit meiner Nicole, es war wie eine kleine Zeitreise: Das vermeintlich völlig veraltete Material (26iger, drei Deore-Kettenblätter, DNM-Dämpfer, ...) machte mir richtig Spaß – und so fegte ich zufrieden ins Ziel der dritten Prüfung.

Über wunderbare Trails ging es nun zur finalen WP – den sogenannten Pfeilhaustrail. Nun war ich richtig warm und auch motiviert, noch mal alles zu geben. In bestem Flow wie in den alten Zeiten fegte ich über den Trail – im ersten Tretstück war die imaginäre Wildschweinrotte jetzt hinter mir her, welche David und Jan in den Prüfungen vorher beim Start „motiviert“ haben muss. Aggressiv legte ich mich in die Kurven und schoss mit breiten Grinsen ins Ziel.

Nach dem sportlichen Teil folgte nun der kulinarische Part. Bei lecker Steak und Wurst mit Fladenbrot (Kompliment an den Grillmeister!) ließen alle Teilnehmer den tollen Tag entspannt ausklingen und warteten gespannt auf das Ergebnis: Bei den Mädels hat Franziska Nehl die Hatz gewonnen. Schnellster von den Jungs war der Kai Uhlig. Gratulation an die Gewinner! Unsere interne pfadlinig-tretmühle-Wette hat der Jan trotz Rückenproblemen mit Platz 13 gewonnen, gefolgt vom David auf Platz 18. Mein Platz 34 ist da eigentlich nicht die Rede wert. Das ich in der letzten Prüfung mit meiner Nicole bis auf vier Sekunden an die schnellen Jungs ran gekommen bin, hat mich dann dennoch im Positiven überrascht.

So einen schönen Tag würde es nicht geben ohne die Organisatoren und die fleißigen Helfer. Das es Leute gibt, die 42 Enduristen so „unbürokratisch“ und reibungslos durch den Wald führen und dann noch einen schönen Grillabend auf die Beine stellen, ist einfach toll!!! Vielen Dank an Euch!

Die folgenden Tage habe ich mir dann so einige Gedanken gemacht über Entwicklungen im MTB-Bereich, vermeintliche technische Revolutionen, Marketing usw. - mein Fazit: man kann das Rad eben nicht jeden Tag neu erfinden. Auch vor 10 oder 15 Jahren hat man sich Gedanken gemacht und schon erstaunliche Spaßgeräte auf den Trail gelassen.

Ich hoffe, wir sehen uns im kommenden Jahr wieder in der Heide!

 

Simon